Alle Artikel in: Kultur

Florian Schneider-Esleben

Der Mitbegründer von Kraftwerk ist tot. Die Bedeutung dieses Satzes geht weit über seine Länge hinaus. Zu beschreiben, was dieser Mann alles an Entwicklungen angestoßen hat, ist in einem Artikel nicht in den Griff zu bekommen. Ganze Bücher wurden darüber verfasst. Die Liste an Musikern, die ihn bzw. Kraftwerk als ihre Vorbilder angeben, ist endlos lang. Geboren 1947 als Sohn des seinerseits sehr bekannten Architekten der Nachkriegsmoderne Paul Schneider-Esleben, wuchs er in gutsituierten Verhältnissen auf und konnte sich seiner Leidenschaft, der Musik, widmen. So lernte er Geige, Gitarre und Querflöte zu spielen. Letztere studierte er zehn Jahre lang an der Robert Schumann Hochschule in Düsseldorf. Im Jahr 1968 gründete er zusammen mit Ralf Hütter die Band „Organisation“. 1970 wurde neben der Eröffnung des Kling-Klang Studios auch Kraftwerk gegründet. Waren die ersten drei Alben noch verhältnismäßig traditionell geprägt, wurde 1974 mit dem Album „Autobahn“ die Wende zum Elektropop vollzogen. 1975 stieß Karl Bartos dazu und komplettierte die klassische Besetzung. Der Rest ist Geschichte. Seit 2008 trat er nicht mehr mit Kraftwerk auf, im Jahr 2009 gab …

DIIV

Meine Reise zu DIIV begann mit den Dum Dum Girls. Auf diese stieß ich 2008 im Rahmen der Konzeption meiner damaligen Radiosendung. Sie sprachen mich gleich an, weil sie alles vereinten, was ich mag: Hallige, lärmige Jangle-Gitarren, gute Melodien und insgesamt viele Referenzen auf Lieblingsbands. Über die Dum Dum Girls war der Weg dann nicht mehr weit zu den Beach Fossils, die ebenfalls Stammgäste in der Sendung wurden. Ein wichtiges Bandmitglied war damals noch Zachary Cole Smith, der schließlich 2011 DIIV gründete. Diese Band bringt bringt alles zusammen, was die vorher Erwähnten bereits richtig gemacht haben. Leider hatte ich es bisher nicht geschafft, sie live zu sehen. Das Konzert im Festsaal Kreuzberg war bereits lange ausverkauft, was unter Anderem daran gelegen haben mag, dass es die erste Tournee der Band nach der krankheitsbedingten Pause war. Die Vorgruppe Chastity, genau wie DIIV auf dem Label Captured Tracks zuhause, bot mit sperrigen Songs, die teilweise im Hardcorebereich angesiedelt waren, Schwerverdauliches zum Einstieg. Das Publikum war trotzdem begeistert. Mir fiel auf, dass der Sänger bei den Schrei-Teilen wie …

Andrew Weatherall

Gestern hat die Musikwelt mit Andrew Weatherall einen wichtigen Kopf verloren. Wie sein Management mitteilte, war die Todesursache eine Lungenembolie. Sechsundfünfzig ist echt zu früh. Die Nachricht löste genreübergreifend einen Schock aus. Von Tim Burgess (The Charlatans) über Gilles Peterson (Ehemals Acid Jazz/Talkin‘ Loud, jetzt Brownswood/Worldwide FM), James Lavelle (Ehemals Mo‘ Wax, jetzt UNKLE), die Happy Mondays und Irvine Welsh (Schriftsteller), bekundeten zahlreiche Persönlichkeiten ihre Trauer. Genreübergreifend ist auch das Stichwort. Weatherall war ein früher Brückenbauer zwischen Elektronik und Gitarre. Ende der 80er Jahre gründete er das Fanzine „Boy’s Own“ und arbeitete als DJ an der wachsenden Popularität von Acid House mit, bevor er sich selbst ins Studio begab. Seine erste Produktion war 1990 die Zusammenarbeit mit dem nicht minder legendären Paul Oakenfold für den Happy Mondays „Halleluja“-Remix. Damit leistete er einen der wichtigsten Beiträge zum Madchester-Hype. In diesem Zusammenhang wurde auch ich dieses Namens zum ersten Mal gewahr. In ebendiesem Jahr schien die Stimmung gut zu sein, denn mit dem Remix des My Bloody Valentine-Songs „Soon“ kreierte er gleich einen weiteren Klassiker, der nicht …

Strom – Festival für elektronische Musik

Wenn ich eine Liste meiner wichtigsten Alben der 90er Jahre erstellen müsste, würde sie die Platten von Kruder & Dorfmeister enthalten. Sie gehören fest zu meinem persönlichen Soundtrack dieses Jahrzehnts. Zum Auftritt anlässlich des 25-jährigen Jubiläums des Duos im April 2019 passte es leider zeitlich nicht. Deshalb sorgte die Nachricht, dass Kruder & Dorfmeister im Rahmen des Strom-Festivals in der Philharmonie auftreten, für große Freude. Die Räumlichkeiten der Philharmonie waren mir vorher nur in Zusammenhang mit klassischer Musik bekannt, weshalb ich sehr gespannt war, wie Elektronisches dort funktioneren würde. Da sich meine Vorliebe für diese Art der Musik sehr selektiv auf ganz bestimmte Genres beschränkt, sagten mir die restlichen Künstler, nur teilweise etwas. Ich stellte mich also auf drei Vorgruppen für Kruder & Dorfmeister ein. Ein peinlicher Irrtum, wie ich im Nachhinein offen zugebe. Schon beim Betreten der ausverkauften Philharmonie merkte ich, dass hier gleichzeitig nichts und alles zusammenpasste. Don’t DJ sorgte im Foyer bereits für entspannte Klänge, als ich der Gardeobendame meine Jacke aushändigte. Hinter ihm begleitende Visuals von Marco C. Während die Laune …

Ride

Monatelang hatte ich mich auf diesen Abend gefreut und mich trotz der Tatsache, dass ich Konzerte an einem Sonntag aus verschiedenen Gründen suboptimal finde, auf den Weg ins Lido gemacht. Ride waren, neben My Bloody Valentine und einigen Anderen, seit den späten 80er Jahren stilprägend für das Genre „Shoegaze“. Der Name bezieht sich darauf, dass die Musiker (welche in Wirklichkeit auf ihre Effektboards sahen) wirkten, als starrten sie auf ihre Schuhe. Die Gruppe gehört wegen ihrer poppigen Interpretation des Stils, welchen sie als Label immer ablehnten, in Kombination mit Einflüssen aus den 60er Jahren zu meinen absoluten Lieblingsbands. Die ersten beiden Alben „Nowhere“ und „Going Blank Again“ höre ich bis heute regelmäßig. Das Durchschnittsalter des Publikums passte zu der Tatsache, dass die Hochphase der Band bereits dreißig Jahre zurückliegt. Aufgrund der eigenen Zugehörigkeit zu dieser Gruppe bleibt das weiter unkommentiert. Auch die Band ist nicht jünger geworden, was sich allerdings nur optisch und nicht musikalisch bemerkbar macht. Die vier Musiker wirkten trotz bereits einiger zurückliegender Auftritte auf der Tournee hochmotiviert und hatten sichtlich Spaß an …